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Nein. Ich hab keine Zeit. Ich muss lernen. Wann soll ich da sein?

Lernen 2.0: Ein Wiki für die Uni

Juli9

Ich lernte einmal einen Studenten kennen, der mich wahnsinnig beeindruckt hat: Er hat die Inhalte seines gesamten BWL-Studium in einer persönlichen Wikipedia.
Man stelle sich das vor: Alles, was er gelernt hat, kann er jederzeit abrufen, jederzeit nachlesen, jederzeit etwas hinzufügen..
Wow.
Das hat mich zu meinem eigenen Wiki inspiriert.

Overkill?

Im Laufe eines Computer-Lebens habe ich Unmengen an Daten gespeichert.

Nützlich?

kleiner Ausschnitt meiner Startseite

Dokumente für die Uni, Skripten, E-books, Lebensläufe (inkl. Scans), vorgefertigte Texte (Danke für die Einladung, aber..; Auf Ihrer Webseite habe ich..), Emails mit Logindaten von Services, die ich einmal im Jahr nutze, abfotografierte Buspläne, Zitatsammlungen, Telefonnummern und Kontaktdaten, halbfertige Artikel, Avatare und Portraitfotos, ToDo-Listen, Seiten, die ich irgendwann abarbeiten will,..

Was diese Daten gemeinsam haben:
* Sie sind alle auf meinem PC
* Es kann jederzeit passieren, dass ich sie raussuchen muss
* Betonung auf Suchen - so gut organisiert kann ein lineares Dateisystem gar nicht sein, dass alle diese Daten einen spezifischen Platz haben.

Ein Wiki ist der ideale Ort, um große Mengen Daten zu managen. Zuerst scheint es wie Overkill: Eigentlich findet man doch alles, wenn man sucht.
Aber dann füllt man das x-te Profil aus, und es wäre eigentlich ganz cool, wenn man nicht zum x-ten Mal die Selbstbeschreibung überlegen müsste, und das Foto raussuchen.
Oder man durchforstet wieder einmal verzweifelt die Mailbox nach den Daten von diesem obskuren Forum.. Oder man will wissen, welche Bibliothek noch offen hat.. - natürlich könnte man den Ausweis rausholen..

Weniger als 10 Minuten für gaanz viel Zeitersparnis

Zuerst habe ich ein Wiki auf meinem Rechner installiert. Das geht ganz einfach, gratis, und es gibt viele Anleitungen: Man braucht im Prinzip einen PHP+mySQL-Server (Ich habe schon seit Urzeiten XAMPP), und eine Distribution von MediaWiki (Es gibt verschiedene Wiki-Systeme, das hier ist das von der normalen Wikipedia und das bekannteste).

Das Ganze habe ich installiert (das geht echt schnell und einfach. Keine Angst.), und angefangen, Seiten zu erstellen. Immer wenn ich etwas brauchte, habe ich eine Wikiseite gemacht, und langsam hat sich eine Ordnungsstruktur herauskristallisiert. Da Wikis sehr flexibel ist, habe ich ein paar Mal richtig umgebaut.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass man so etwas mit Google Sites aufbaut, die man ja nicht veröffentlichen muss. Dort ist das Ganze noch einfacher (Formatierung etc.), aber unter Umständen auch weniger flexibel.

Ein Fach als Projekt begreifen

Mathe und Physik sind natürlich für eine gesamte Wiki-Erfassung eher ungünstig, obwohl es Leute gibt, die sehr schnell TeXen können.
Ich möchte euch trotzdem mal von meinem EMV-Projekt erzählen.
Das war noch in der Schule.

Ein Prof hat über EMV unterrichtet. Er war ein Experte darin, richtig verdammt gut, und was er unterrichtete, ließ sich nicht so aus wenigen Fachbüchern raussuchen. Es war einfach zu viel Information und ganz viel Erfahrung. War spannend und nützlich, aber zum Lernen nicht so gut.
Irgendwann kam ich auf die Idee, ein Wiki zu errichten. Ich schrieb mit, übertrug das Ganze und ergänzte es dann mit Skizzen, Links, Mindmaps, Mnemonics, Bildern (aus vielen Büchern - Tipp: FastStone Capture + Google Books spart oft Scannen (nur privat verwenden!)),.. und sortierte es. Das ganze machte ich online, allerdings passwortgeschützt. Andere Schüler begannen, mitzuhelfen, und gäbe es nicht ein Problem mit dem Copyright, so hätten wir gemeinsam wahrscheinlich das umfangreichste Werk über EMV veröffentlichen können (wenn auch das mit den kuriosesten Kommentaren, wie einem Konzept über Terrorismus durch Verkürzung von Schlitzen zum Bauen von Negativantennen in passender Frequenz.. (nerdgrin))
Im Endresultat hatte ich dann zwar perfekte Notizen zum Lernen, aber die waren nicht nötig: Durch das viele Recherchieren und Suchen von passenden Bildern hatte ich sehr viel gelesen und gesurft: Und die wichtigen Konzepte kommen in jedem Werk vor.
Jeder kennt das: Wenn man ein Thema recherchiert, dann kennt man nach einiger Zeit die Eckdaten, Konzepte,..
So wars bei mir auch.

Das ist Projektlernen. Holistisches Lernen, wie es Scott Young nennt.
Wasauchimmerlernen, es funktioniert.
Und es tut nicht weh.

Und wie setze ich das konkret für meine Vorlesung um?

Gut, ich nehme mal an, ihr habt ein Wiki installiert. Ihr habt die Vorzüge davon gelernt, wenn man schnell die Buspläne abrufen kann, eure Bibliothekskartennummern gespeichert, und euch mit der Syntax vertraut gemacht.
Jetzt waren ein paar Vorlesungen, und ihr wollt das Wissensmanagment.

Mein Tipp: Mit einer Liste anfangen.

Es gibt Listen für jedes Fach. Nützliche Listen, also Formelsammlungen, Abkürzungsverzeichnisse, Listen, wo was in welchem Buch ist, Aufstellungen von Konzepten etc.
Für Matlab bietet sich zum Beispiel eine Befehlsliste an.

matrix

Diese Liste war konkret nützlich. Ich habe sie öfter benutzt und auch verändert. Sie ist ziemlich lang geworden.
Da sind Codeschnipsel hinzugekommen, zB allgemeine Prototypen zum Erstellen von Funktionen in MATLAB. Und die Kommentare bei manchen Befehlen wurden immer länger.
Zeit zum Organisieren!

Frühe Organisationsphase

Tja, und plötzlich war ich mitten drinnen, und habe ergänzt und editiert. Wenn ich ein Problem gelöst habe, wie etwa in einem Plot 2 Oberflächen unterschiedlich zu färben (etwas, das in Matlab aus einem kuriosen Grund nicht anständig funktioniert), dann habe ich das notiert.

Und als ich das später gebraucht habe, habe ich verlinkt und ergänzt und umorganisiert. Matlab hat sich mit dem Fach Numerik vereint, und flirtet mit Informatikfächern und Algorithmik. Alles ist verbunden, hängt zusammen, das große Bild ist fast greifbar . Willkommen in eurem Wiki. Eurem Projekt. Das hier ist Lernen 2.0. Vernetzt. Nichtlinear. Und verdammt cool.

Unnütz, aber ich wollte es herzeigen, weil ich es cool finde.

Unnütz, aber ich zeige es, weil es gut aussieht.. ;-)

Nachträge:
12.7 Sonya von “Studieren an der Open University” hat über ihren Einsatz von TiddlyWiki im Lernprozess geschrieben. Das interessante: Man muss nichts installieren.

4.9 Aus aktuellem Anlass: Der Artikel passt gut zum WissensWert Blog Carnival Nr. 7. Bei diesem Carnival wird (im e-learning-Umfeld) diskutiert, was ein Wiki bringt und wie man es einsetzt. Nach meiner Erfahrung solltet ihr hier den einen oder anderen guten Link finden.

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Kategorie Collegeblogger
3 Comments to

“Lernen 2.0: Ein Wiki für die Uni”

  1. On August 31st, 2009 at 16:02 del.icio.us Bookmarks vom 17. August bis 31. August | E-Learning 2.0 Says:

    [...] Lernen 2.0: Ein Wiki für die Uni – Im Beitrag wird beschrieben wie man mit einem Wiki sein Studium effizienter gestalten kann (via @cervus). [...]

  2. On September 1st, 2009 at 17:06 jojoo Says:

    Ich habe das auch so gemacht.

    ich studiere allerdings ein geisteswissenschaftliches fach.

    ich habe idr keine vorlesungsskreipte eingegeben, sondern “nur” auf papier mitgeschrieben. wenn ich dann auf klausuren gelernt habe, haber ich meine vorschriebe durchgegangen und alles wichtige ins wiki getippt.

    bei wichtigen dingen habe ich aus

    das ganze wüde ich, jetzt nach abschluss des studiums als sehr erfolgreich einschätzen.

    ich weiß ganz genau wo welche information gespeichert ist. ich weiß also aus dem stegreif wenig konkretes über die einführung der schulpflicht in europa, weiß aber in welchem wiki-artikel es steht.

    das könnte bei papierscripts auch so sein, aber das könnte ich nicht ständig aus dem internet abrufen, daher würde ich sie seltener verwenden.

    aber meiner meinung nach wird erst dadurch, dass man die informationen ein paar mal abruft “gespeichert”, wo diese zu bekommen sind.

  3. On Oktober 24th, 2009 at 12:28 matilda Says:

    hab jetzt seit einem monat ein desktop wiki und das ist ja echt der knaller!
    vielen dank für den tipp

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